
Thema des Abends
"Platzhirsch gegen Quotenfrau - Braucht das schwache Geschlecht ein starkes Gesetz?"
Anfang des Jahres überraschte die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen mit der Forderung nach einer Frauenquote in den Vorständen der großen Wirtschaftsunternehmen. Zur Not wolle sie das per Gesetz erzwingen. Dies löste in der Öffentlichkeit hitzige Diskussionen aus. Auch das Regierungslager ist sich nicht einig. Die Bundeskanzlerin erteilte dem Vorstoß von Frau von der Leyen eine Absage. Familienministerin Kristina Schröder setzt auf eine "flexible Quote", welche die Unternehmen verpflichten soll sich selbst eine Zielmarke zu setzen. Unterstützung für die Arbeitsministerin kommt jedoch aus Brüssel. EU-Kommissarin Viviane Reding kündigte an, den Unternehmen bis zum Frühjahr 2012 noch Zeit zur Selbstregulierung zu geben. Sollte sich bis dahin nichts geändert haben, was zu einer Erhöhung des Frauenanteils in Führungsgremien beiträgt, würde die EU-Kommission rechtliche Schritte einleiten.
Das Thema "Frauenquote" erregt die Gemüter. Im Internet werden erbitterte Diskussionen geführt. Schließlich ist es ein Sujet, das uns alle betrifft und viel Platz für Polemik bietet. Viele der geäußerten Argumente lassen vor allem auf Unwissenheit schließen. Auch wenn das Wort "Quote" einen etwas fahlen Beigeschmack hat, darf man nicht die Fakten aus den Augen verlieren. In unserer Gesellschaft ist nämlich längst nicht alles gut.
So sind Frauen im Durchschnitt in Deutschland heute besser ausgebildet als Männer, sie sind ehrgeizig und zielstrebig. Trotzdem sind Frauen in Chefetagen noch unterrepräsentiert und verdienen in gleichwertigen Positionen häufig deutlich weniger. Offenbar lassen es die Strukturen nicht zu, dass Frauen genauso häufig Spitzenpositionen in der Wirtschaft bekleiden wie Männer. Ein häufig genanntes Problemfeld ist die (Un)Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
Oft hilft ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. In anderen europäischen Ländern gibt es bereits eine Frauenquote bzw. sind gesetzliche Regelungen auf den Weg gebracht. So beschloss das norwegische Parlament im Jahre 2003, dass 40% der Aufsichtsräte weiblich sein müssen. Im Jahr 2008 erfüllten alle betroffenen Unternehmen (360) die Vorgaben. Befürchtungen, dass die Quote der norwegischen Wirtschaft schaden würde, haben sich nicht bewahrheitet. Ähnliche Gesetze sind bereits in den Niederlanden, Spanien und Frankreich auf den Weg gebracht worden.
Die Einführung der Frauenquote ist nicht zwangsläufig Sache des Gesetzgebers. Die Deutsche Telekom führte im Frühjahr 2010 freiwillig eine solche ein. Sie will bis 2015 weltweit 30% Frauen in Führungspositionen haben. Diese Entscheidung löste ein großes Medienecho aus, fand aber keine Nachahmer unter den anderen großen Wirtschaftsunternehmen; vielmehr gab es Kritik.
Es gibt also genauso viele Argumente für als auch gegen eine Frauenquote. Sicher ist, dass es eine Menge Klärungsbedarf gibt. Wir wollen versuchen, etwas Licht ins Dunkel zu bringen und leidenschaftlich, aber fundiert über das Für und Wider einer Frauenquote zu debattieren. Im Zentrum der Debatte stehen die Fragen: Ist eine Frauenquote notwendig? Ist die Frauenquote ein nützliches Instrument oder vielmehr Männerdiskriminierung? Was verbirgt sich eigentlich hinter dem Schlagwort "Frauenquote"? Welche anderen Mittel und Wege gibt es, um das Ziel von mehr Frauen in Führungspositionen zu erreichen? Was können wir von anderen Länder lernen? Wie zeitgemäß ist es im Jahr 2011 noch, wenn der Staat solch weitreichende Vorgaben macht? Ist nicht jeder für sich selber verantwortlich? Und wer will schon Quotenfrau sein?




